Kämpf für die Liebe! Oder nicht?

Würde ich Til-Schweiger-Komödien Glauben schenken, so sähe der ideale Verlauf einer Liebesgeschichte wie folgt aus:

Ein Liebespaar. Ein Streit. Eine große, dramatisch-romantische Geste des Umeinander-Kämpfens. Sich-wieder-lieb-haben. Happy End. Und das dann bitte in Endlosschleife auf allen Leinwänden der Welt. 

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Weil ich aber ein mündiger Mensch bin – und Til Schweiger sowieso bescheuert finde – muss ich leider sagen: Das ist absoluter Schwachsinn. 

Natürlich, Til Schweiger ist nicht an allem schuld, aber Filme wie seine sind es, die zu wirklich ätzenden Situationen führen. 

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Wenn meine Freunde wieder einmal ein Beziehungsproblem haben, das wir zum einhundertsten Mal besprechen müssen, frage ich mich, ob es nicht vielleicht besser wäre, die Beziehung einfach zu beenden.

Doch falsch gedacht! Denn im Zweifelsfall kommt immer dieselbe Reaktion:

„Aber Kaddi, man muss doch für seine Liebe kämpfen! Du kannst doch nicht immer alles gleich wegwerfen, nur weil dir eine Sache nicht passt!“
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Für seine Liebe kämpfen, wie Til Schweiger um Nora Tschirner. Natürlich. Weil ja sonst alles perfekt ist. Außer eben diese eine kleine Sache. Die eigentlich gar nicht so klein ist, sondern relativ fundamental. Aber jeder muss für seine Liebe kämpfen. IMMER! So wie die Paare auf der Leinwand – und nach genug Kämpfen kommt irgendwann das verdiente Happy End.

Dass ich das nicht glaube, bedeutet nicht, dass ich dem Märchen der vollständig konfliktlosen Beziehung hinterherlaufe. Es bedeutet lediglich, dass ich weiß, wie anstrengend Kämpfen ist. Es macht dich verdammt müde! 

Keine zwischenmenschliche Beziehung kommt ohne Konflikte aus. 

Hättet ihr immer zu allem dieselbe Meinung, Einstellung oder Erwartung, bräuchtet ihr ja nicht mehr miteinander zu reden.

Es ist auch okay, sich ab und an zu streiten. Ja, auch wegen Kleinigkeiten. Selbst perfekte Instagrampaare wie Alexis Ren und Jay Alvarrez, oder die Boys von Cupofcuple streiten sich hin und wieder. 

Es wird dich vielleicht schocken, aber ich bin mir zu 99,9% sicher, dass auch sie unter Geschrei und Türknallen klären, wer mit dem Abwasch dran ist. 

Manchmal habe ich das Gefühl, dass zwischen Photoshop-perfekten #relationshipgoals à la Instagram und hart erkämpfter Liebe à la RomCom keinerlei Platz mehr ist für die tatsächliche Realität.

Ihr seid weder Romeo noch Julia!

Und das Leben ist auch kein Til Schweiger-Film. Wann ist Liebe zu diesem Ding geworden, das so wahnsinnig dramatisch und gleichzeitig perfekt sein muss? Seit wann muss eine Beziehung sich dadurch validieren, dass sie „erkämpft“ wurde und jeden Tag wird? Ich verstehe das nicht.

Ich glaube, dass sowohl die Erwartung einer konfliktfreien Beziehung, als auch das ständige Kämpfen um selbige, Gift sind – für alle Beteiligten.

Es scheint, als hätten alle plötzlich vergessen, dass Glück nicht in Selfies, und der Wert einer Beziehung nicht an der investierten „Arbeit“ gemessen werden.

Wisst ihr, warum Liebesfilme nur zwei bis drei Stunden lang sind? Weil kein Mensch länger auf so viel Drama klar käme. 

Es gibt Dinge, die sind kein kleiner Streit mehr und es gibt Dinge, die kann man auch durch noch soviel „Wir müssen an uns arbeiten!“ und „Wir müssen umeinander kämpfen!“ nicht wegdiskutieren oder schönreden.

Es trotzdem zu tun ist nicht romantisch, es ist ungesund. Wer wochen-, monate- oder jahrelang in einer Situation bleibt, die ihn oder sie in überproportional großen Teilen unglücklich macht, schadet sich selbst auf so viele Arten.

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Natürlich, wer eine schwere Zeit gemeinsam durchsteht, geht wahrscheinlich gestärkt daraus hervor. Wer aber nur noch kämpft, weil es mittlerweile zum modus operandi geworden ist, der macht sich selbst etwas vor.

Dass schwierige Zeiten ein Paar stärker machen, liegt vor allem daran, dass danach bessere Zeiten kommen. Wer permanent in „schwierigen Zeiten“ und mit dem ständigem Drama lebt, jagt einem Phantom hinterher. 

Meiner Meinung nach hat jede und jeder es verdient, glücklich zu sein. Ohne wenn und aber und ohne ständig dafür kämpfen zu müssen. 

Du musst niemandem beweisen, dass du würdig bist, etwas Schönes zu haben. Du solltest dir Liebe und Zuneigung nicht verdienen müssen, indem du Kampf um Kampf um Kampf austrägst. 

Liebe sollte das schönste Extra in deinem Leben sein - und kein verdammter Til Schweiger-Film. 

Zeig deinen Freunden, warum es sich manchmal lohnt, loszulassen.

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Feeling, in dem sich alles um Liebe, Gefühle, Freundschaft und Sex dreht. So wie in diesen Artikeln: